Bismarck-Eiche, neu gepflanzt

Neugepflanzte Bismarckeiche in Homberg. September 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

In Homberg hat man nicht nur Germania unermütlich wiederbewaffnet. In den 1990er Jahren wurde allen Ernstes eine neue Bismarck-Eiche gepflanzt.

Der antidemokratische Bismarck-Kult von Ende des 19. Jahrhunderts überzog das ganze Land mit Bismarck-Denkmälern, Bismarck-Türmen, Bismarck-Eichen und Bismarck-Feiern. Manches davon ist heute noch zu besichtigen. Diese Relikte waren Homberg nicht genug.

Wird dort vielleicht demnächst die Monarchie wieder eingeführt? Warum sollte man nicht auch die Sozialisten-Gesetze und den Kulturkampf wieder in Kraft setzen, die Kolonien zurückgewinnen und Krieg gegen Österreich, Dänemark und Frankreich anfangen?

Und um das historische Stadtbild wiederherzustellen, könnte man auch die gefällten Hitler-Eichen neu pflanzen.

Neugepflanzte Bismarckeiche in Homberg. September 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

„Bismarckeiche

31.03.1895 Umbenennung des Pattbergplatzes in Bismarckplatz

Pflanzung einer Eiche zur Erinnerung an den 80. [Geburtstag] des Fürsten Otto von Bismarck am 01.04.1895

1923 Zerstörung der Eiche durch Besatzungstruppen

31.03.1995 Pflanzung dieser Eiche aus Anlaß der 100-jährigen Wiederkehr der Namensgebung „Bismarckplatz“

Freundeskreis Historisches Homberg e.V.“

Das deutsche Schwert am deutschen Rhein

Germania, Essenberg, August 2026, Foto Copyright Hafenstaedter.

Im Schatten der riesigen Brückenbaustelle für die A40 in Essenberg steht ein Kriegsdenkmal, das scheinbar mit einer drohenden Geste die moderne Technik abwehren möchte.

Nach den durch dieses Denkmal gefeierten Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich versuchte der preußische Staat tatsächlich zunächst einmal Brückenbauten über den Rhein zu verhindern oder zumindest stark einzuschränken. Was wäre, wenn nicht nur Personen und Waren leicht ans andere Ufer kommen, sondern auch der böse Erbfeind?

Als Symbol wählten die Essenberger Patrioten die Figur der Germania mit gezücktem Schwert und großem Schild, das die Aufschrift trägt: „Ein deutsches Schwert beschützt den deutschen Rhein“.

Das Denkmal wurde 1887 eingeweiht und stand ursprünglich an der Hauptstraße. Der leere Platz heißt heute noch Denkmalsplatz.

Anfang der 1920er Jahre sorgten belgische Soldaten für Abrüstung und entfernten das Schwert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Germania ans Rheinufer versetzt. Und statt einem Schwert trug Germania nun einen Siegerkranz. Der kam irgendwann abhanden und sie drohte nur noch mit der Faust.

Germania, Essenberg, Januar 2003, Foto Copyright Hafenstaedter.

Bis dann 2004 ein Heimatverein die Wiederaufrüstung beschloss.

Germania, Essenberg, Mai 2004, Foto Copyright Hafenstaedter.

Einige Zeit später, vielleicht 2009, ging das Schwert wieder verloren. Mutmaßlich haben es Altmetall-Sammler mitgehen lassen.

Germania, Essenberg, November 2009, Foto Copyright Hafenstaedter.

Etwa 2012 erhielt Germania dann ein klobiges extra-breites und extra-schweres Ersatzschwert.

Germania, Essenberg, Juli 2012, Foto Copyright Hafenstaedter.

Vielleicht war es zu schwer. 2013 brach es wieder ab.

Germania, Essenberg, April 2013, Foto Copyright Hafenstaedter.

Das neue Ersatz-Schwert hielt, dafür wurde der dünne Arm Germanias zum Gerippe.

Germania, Essenberg, November 2013, Foto Copyright Hafenstaedter.

Etwa 2015 bekam Germania einen neuen Arm spendiert, der aber immer noch zu dünn erscheint für den Schwertkampf gegen den Erbfeind.

Germania, Essenberg, Mai 2015, Foto Copyright Hafenstaedter.

2024 und auch heute noch sieht man Germania wieder unbewaffnet.

Germania, Essenberg, September 2024, Foto Copyright Hafenstaedter.

Gehören nationalistische Denkmäler in den öffentlichen Raum? Oder als historische Dokumente ins Museum? Kann man sie als Lernorte friedenspädagogischer Arbeit nutzen? Darüber streiten sich die Fachleute seit Jahrzehnten.

Stehen uns jetzt Zeiten bevor, in denen neue Denkmäler für neue Kriege werben?

 

Coronazeit: „Helden“

„Helden des Alltags…“ Banner, Neudorf, Sternbuschweg, 3.4.2020. Foto (c) Hafenstaedter

Vor den Edeka-Fressnapf-DM Läden am Sternbuschweg/Koloniestraße hängt ein riesiges Banner: „Helden des Alltags – an der Kasse, in der Klinik und anderswo. Danke für euren Einsatz“.

Helden! Die Helden sind jetzt sicher stolz wie Otto und verzichten freiwillig auf Gesundheitsschutz und Lohnzuschlag. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.

Wurde das Banner von Linken oder von Rechten aufgehängt? „Kolleginnen und Kollegen, wir solidarisieren uns mit Euren Forderungen…“ wäre eine linke Parole.

Nazis nicht willkommen

Am ersten Mai wollen Nazis der Vereinigung „Die Rechte“ in Wanheimerort demonstrieren. Sie sind hier nicht willkommen.

 

S-Bahnhof Schlenk. Graffiti „1 Mai nazifrei !!!“ und „FCK NZS“. Foto 28.4.2019 (c) Hafenstaedter.

Treffpunkt der Nazis ist der romantische S-Bahnhof „Schlenk“ in Wanheimerort.

 

Zum Lith, Wanheimerort. Foto 28.4.2019 (c) Hafenstaedter.

Auf der Straße Im Schlenk hing die Vereinigung „Die Rechte“ Plakate zur Europawahl auf, die man nur als Ankündigung verstehen kann, Demokraten an der Laterne aufzuhängen. Außerdem: Werbung für die Spitzenkandidatin, einer inhaftierten  Nationalsozialistin und antisemitischen Holocaustleugnerin.

 

Fahrplanaushang Im Schlenk. Foto 28.4.2019 (c) Hafenstaedter.

Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG): „Demonstrative Aktionen am Mittwoch, 1. Mai, von ca. 12.00 bis 22.00 Uhr.“

Die DVG fährt die Haltestellen in der Nähe der Demonstrationsroute der Nazis nicht an. Straßenbahnen fahren nicht, Busse werden umgeleitet.

 

Absolutes Halteverbot in der Fliederstaße. Foto 28.4.2019 (c) Hafenstaedter.

Auf der Fliederstraße und der Eschenstraße, die parallel verlaufen und die Rheintörchenstraße mit der Kulturstraße verbinden, herrscht am 1. Mai ab 10 Uhr absolutes Halteverbot.

 

Blick Richtung Hochfeld. Foto 28.4.2019 (c) Hafenstaedter.

Ziel des Nazi-Umzugs soll der Bahnhof Hochfeld-Süd sein, ca. einen Kilometer entfernt vom Stadtteil Hochfeld.

PRO-Zirkus, zwölfter März 2013

Heute wurde die Hafenstadt wieder einmal heimgesucht vom rassistischen Wanderzirkus der PRO-Bewegung.

Foto (c) Hafenstaedter

Gegendemonstration: „Rassismus kann tödlich sein! Zu Risiken und Nebenwikungen lesen Sie ein Geschichtsbuch“

Wenn hochrangige Politiker wie Bundesinnenminister Friedrich Bedrohungsangst gegenüber Flüchtlingen schüren und ein großer Teil der Massenmedien ihnen dabei assistieren, dann steht selbstverständlich auch die extreme Rechte bereit, Öl in‘s Feuer zu gießen. Das Bild mit dem Feuer muss man wörtlich nehmen. Die heutige Situation wird häufig mit der kurz vor den Pogromen Anfang der 1990er Jahre verglichen, teils als alarmistische Mahnung, teils aber auch als unverhohlene Drohung. In einem solchen Klima sieht die extreme Rechte (wieder einmal) ihre Stunde gekommen. Sie wähnt sich am Beginn des von ihr ersehnten Bürgerkrieges und als entschlossene und tatkräftige Vollstecker des vermeintlichen Volkswillens.

Foto (c) Hafenstaedter

PRO-Zirkus: Sämtliche Teilnehmer (nein, die Polizisten gehören nicht dazu) während des Höhepunkts der PRO-NRW-Kundgebung in Duisburg-Bergheim, 12.3.2013, 13:10 Uhr

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht dann aber doch zum Glück noch anders aus. Selbst die wildgewordenen Spießer, die mit rassistischen und antiziganistischen Parolen gegen ihre neuen Nachbarn aus Bulgarien und Rumänien Sturm laufen, haben sich von Pro-NRW distanziert. Der Duisburger Kreisverband von Pro-NRW ist nach wie vor nur ein Phantom, und auf dessen Website wird als aktuellste Meldung das vergangene Weihnachtsfest angekündigt.

So blieb man also wieder einmal unter sich, und das ist gut so. Die Herrschaften fuhren mit Kleinbussen und PKWs vor, hielten in einem Käfig aus Polizeigittern ihre kurze Kundgebung ab und verschwanden dann wieder. Ich zählte 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (13:10 Uhr, inklusive Pressevertreter, Zivilpolizisten etc.) Das soll also der groß angekündigte „Höhepunkt“ der Kundgebungstournee durch ganz NRW gewesen sein.

Foto (c) Hafenstaedter

Hafenstadt-Piraten: „Ankern verboten für ‚Pro-NRW‘ – Hier ist ein Piratenhafen“

Etwa 300 Gegendemonstranten (das ist für Duisburger Verhältnisse an einem Werktag-Vormittag, bei klirrender Kälte und an einem abgelegenen Ort sehr viel) protestierten gegen Rassismus. Sie solidarisierten sich mit den bulgarischen und rumänischen Bewohnerinnen und Bewohnern des sogenannten „Hochhauses“ in DU-Rheinhausen-Bergheim. Das wurde aber auch mal Zeit! So hatte also die Provokation der Rassisten den positiven Nebeneffekt, dass die Duisburger Zivilgesellschaft endlich einmal Flagge gezeigt hat zugunsten der Flüchtlinge.

Foto (c) Hafenstaedter

Gegendemonstration: „Duisburger Schüler-innen gegen Rechtspopulismus – Gegen Antiziganismus und soziale Ausgrenzung!“

Höhepunkt der Gegenkundgebung war in meinen Augen die mutige Rede eines Schülers einer Rheinhausener Gesamtschule. Obwohl es seine erste Rede vor großem Publikum war, gelang es ihm, präzise und klar zu argumentieren und das auch verständlich vorzutragen. Rassismus und Antiziganismus wurden von ihm klar benannt und in einen politischen Kontext eingeordnet. Er sparte nicht an scharfer Kritik gegenüber Medien und Politikern und schloss dabei anwesende Politiker nicht aus, denen er „Heuchelei“ vorwarf. Der Schüler zitierte Äußerungen seines Vorredners Sören Link (Duisburger Oberbürgermeister) in der BILD-Zeitung, die ganz anders klangen, als dessen heutige Rede. Die Kritisierten reagierten auf diese undiplomatische jugendliche Analyse wie beleidigte Leberwürste.