Bewegung in einer stehenden Stadt

Am ersten Juni gab es wieder eine Nachttanzdemo in der Hafenstadt, und selbstverständlich waren wir wieder dabei.

An den Forderungen hat sich nicht viel geändert. Zwar hat die Hafenstadt es geschafft, den Duisburger Oberbürgermeister aus dem Amt zu jagen, an der Spitze der Verwaltung hat sich dadurch aber nichts gebessert.

Die jungen Leute von DU it yourself! fordern ein unabhängiges Kulturzentrum in der Hafenstadt. Dabei geht es nicht einmal um eine finanzielle Unterstützung, obwohl sie darauf einen Anspruch hätten. Sie fordern Aufgabe der Blockadepolitik der Verwaltung und Hilfestellung bei der Erfüllung von Auflagen wie Lärm- und Brandschutz. Das ist alles. Und man fragt sich verwundert, warum die Stadt Duisburg nicht sofort zugreift und stattdessen jeden ernsthaften Dialog verweigert.

Doch zum Glück lassen sich die jungen Leute nicht zermürben und verbittern, sie haben einen langen Atem.

In der Hafenstadt haben sich sieben Initiativen zu einem Bündnis zusammengeschlossen unter dem Namen DU erhät(st) Kultur. Und im neugegründeten Netzwerk X bahnt sich eine Zusammenarbeit mit Initiativen in anderen Ruhrgebietsstädten an. Für Ende Juni ist in der Hafenstadt eine dreitägige Konferenz Recht auf Stadt geplant (22.-24.6.2012, Gemeindehaus Duisburg-Ruhrort).

Nachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterNachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterNachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterDie Nachttanzdemo war noch größer als im Vorjahr; ich schätze achthundert Leute, vielleicht sogar noch mehr. Das Motto auf dem Fronttransparent: „Für mehr Bewegung in einer stehenden Stadt“.

Zwei Musikwagen, ein Wagen vom Netzwerk X mit Livemusik, ein Punk-Bollerwagen und eine Sambatruppe.

Schilder in Spruchblasenform: „Sinn injizieren“, „Pfff“, „Umarmung ist die beste Waffe“, „Rette mich“, „Hier ist es immernoch Scheiße!“ „Revolution ohne Scheiß“, „???“, „Akzeptierende schweigende Masse“, „Herdentier“, „Küss mich“, „Et knallt“.

Transparente an den Wagen:  „Wir wollen kein Stück vom Kuchen, sondern das Rezept verändern“. „Der Unterschied zwischen unseren Städten & Joghurt ist, dass Joghurt aktive lebendige Kulturen enthält“. „Vielfältige Kultur und Recht auf Stadt in Duisburg und überall“. „Alle für die Kunst“. „Für eine Welt, in der einfach alle Platz haben“.

Nachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterNachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterNachttanzdemo 1.6.2012. Foto: Hafenstaedter

Nachttanzdemo 1.6.2012. Foto: HafenstaedterDie Polizei hielt sich im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten sehr zurück und beschränkte sich darauf den Verkehr zu regeln. Deshalb blieb alles entspannt, friedlich und fröhlich.

In Hochfeld bestaunten (ganz anders als in den öden Straßenzügen der Stadtmitte) zahlreiche Anwohner den Demonstrationszug. Ganze Familien hatten sich neugierig am offenen Fenster versammelt. Ein solcher fröhlicher Umzug war eine willkommene Abwechslung, auch wenn die meisten das Anliegen der Demonstration nicht mitbekommen haben dürften. Musik und Auftreten vermitteln aber auch eine Botschaft. Kinder winkten, Passanten lächelten. Kein vernünftiger Mensch, sondern allenfalls ein Extremismusforscher brächte es fertig, eine linksradikale Sambatrommel und eine Marschtrommel der Neonazis zu velwechsern.

Ich kann sogar bezeugen, dass es Anwohner gab, die die Musik hörten und sich tatsächlich spontan dem Demonstrationszug anschlossen. Das erzählten sie mir während der Abschlusskundgebung auf dem Platz vor der Pauluskirche. Die endete pünktlich um zweiundzwanzig Uhr; mit den Auflagen nimmt man es sehr genau in Duisburg. Schade.

Das nächste mal sind wir wieder dabei.

 

 

P.S.: Weitere Berichte zur Nachttanzdemo:

* Artikel in der WAZ (30.5.2012): „DU it yourself“ demonstriert weiter für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg
* Interview auf dem Blog Ruhrbarone (30.5.2012): Interview zur Duisburger Nachttanzdemo: “Man bleibt hier gerne alten Mustern treu”
* Mitschnitt eines Radiointerviews auf Funkhaus Europa
* Auf youtube findet man auf dem Kanal von 1206Dirk fünf schöne Videos von der Nachttanzdemo und drei vom Flashmob Netzwerk X
* Presseerklärung von DU it youself (3.6.2012): 2. Nachttanzdemo am 1. Juni 2012 erfolgreich und bunt
* Ein weiteres gutes Video
* Rheinische Post (4.6.2012): Duisburg: „Nachttanzdemo“ für mehr Kultur in der Stadt
* WAZ (5.4.2012): Nachttanzdemo für ein unabhängiges Kulturzentrum in Duisburg

 

P.P.S.: Zu den Fotos:

1. Die Gesichter der Abgebildeten sind nachträglich bearbeitet.
2. Alle Uhren am Duisburger Hauptbahnhof blieben schon vor ein paar Tagen um 47 Minuten nach 12 stehen. Wie passend! Stehende Uhren in einer stehenden Stadt. Die Nachttanzdemo begann selbstverständlich nicht Mittags, sondern erst um 19 Uhr.

 

Bewegung in einer stehenden Stadt

Am ersten Juni gab es wieder eine Nachttanzdemo in der Hafenstadt, und selbstverständlich waren wir wieder dabei.
An den Forderungen hat sich nicht viel geändert. Zwar hat die Hafenstadt es geschafft, den Duisburger Oberbürgermeister aus dem Amt zu jagen, an der Spitze der Verwaltung hat sich dadurch aber nichts geändert.
Die jungen Leute fordern ein unabhängiges Kulturzentrum in der Hafenstadt. Dabei geht es nicht einmal um eine finanzielle Unterstützung, obwohl sie darauf einen Anspruch hätten. Sie fordern Aufgabe der Blockadepolitik der Verwaltung und Hilfestellung bei der Erfüllung von Auflagen wie Lärm- und Brandschutz. Das ist alles. Und man fragt sich verwundert, warum die Stadt Duisburg nicht sofort zugreift und stattdessen jeden ernsthaften Dialog verweigert.
Doch zum Glück lassen sich die jungen Leute nicht zermürben und verbittern, sie haben einen langen Atem.
In der Hafenstadt haben sich sieben Initiativen zu einem Bündnis zusammengeschlossen unter dem Namen „DU erhät(st) Kultur“ [link]. Und im neugegründeten Netzwerk X [link] bahnt sich eine Zusammenarbeit mit Initiativen in anderen Ruhrgebietsstädten an. Für Ende Juni ist eine dreitägige Konferenz Recht auf Stadt in der Hafenstadt geplant (22.-24.6.2012, Gemeindehaus Duisburg-Ruhrort)[link].

Die Nachttanzdemo war noch größer als im Vorjahr; ich schätze achthundert, vielleicht sogar tausend Leute. Das Motto auf dem Fronttransparent: „Für mehr Bewegung in einer stehenden Stadt“.
Zwei Musikwagen, ein Wagen vom Netzwerk X mit Livemusik, ein Punk-Bollerwagen und eine Sambatruppe.
Schilder in Spruchblasenform: „Sinn injizieren“, „Pfff“, „Umarmung ist die beste Waffe“, „Rette mich“, „Hier ist es immernoch Scheiße!“ „Revolution ohne Scheiß“, „???“, „Akzeptierende schweigende Masse“, „Herdentier“, „Küss mich“, „Et knallt“.
Transparente an den Wagen: „Der Unterschied zwischen unseren Städten & Joghurt ist, das Joghurt aktive lebendige Kulturen enthält.“ „Vielfältige Kultur und Recht auf Stadt in Duisburg und überall“. „Alle für die Kunst“
Die Polizei hielt sich im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten sehr zurück und beschränkte sich darauf, den Verkehr zu regeln. Deshalb blieb alles entspannt, friedlich und fröhlich.
In Hochfeld bestaunten (im Gegensatz zu den Straßenzügen in Stadtmitte) zahlreiche Anwohner den Demonstrationszug. Ganze Familien hatten sich neugierig am offenen Fenster versammelt. Ein solcher fröhlicher Umzug war eine willkommene Abwechslung, auch wenn die meisten das Anliegen der Demonstration nicht mitbekommen haben dürften. Musik und Auftreten vermittelten aber auch eine Botschaft. Kinder winkten, Passanten lächelten. Kein vernünftiger Mensch, sondern allenfalls ein Extremismusforscher brächte es fertig, eine linksradikale Sambatrommel mit einer Marschtrommel der Neonazis gleichzusetzen.
Einen konkreten Fall kann ich sogar bezeugen, dass Anwohner die Musik hörten und sich tatsächlich spontan entschlossen, sich dem Demonstrationszug anzuschließen. Das erzählten sie mir während der Abschlusskundgebung auf dem Platz vor der Pauluskirche. Die endete pünktlich schon um zehn Uhr; mit den Auflagen nimmt man es genau in Duisburg. Schade.
Das nächste mal sind wir wieder dabei.Bewegung in einer stehenden Stadt

 

Am ersten Juni gab es wieder eine Nachttanzdemo in der Hafenstadt, und selbstverständlich waren wir wieder dabei.

An den Forderungen hat sich nicht viel geändert. Zwar hat die Hafenstadt es geschafft, den Duisburger Oberbürgermeister aus dem Amt zu jagen, an der Spitze der Verwaltung hat sich dadurch aber nichts geändert.

Die jungen Leute fordern ein unabhängiges Kulturzentrum in der Hafenstadt. Dabei geht es nicht einmal um eine finanzielle Unterstützung, obwohl sie darauf einen Anspruch hätten. Sie fordern Aufgabe der Blockadepolitik der Verwaltung und Hilfestellung bei der Erfüllung von Auflagen wie Lärm- und Brandschutz. Das ist alles. Und man fragt sich verwundert, warum die Stadt Duisburg nicht sofort zugreift und stattdessen jeden ernsthaften Dialog verweigert.

Doch zum Glück lassen sich die jungen Leute nicht zermürben und verbittern, sie haben einen langen Atem.

In der Hafenstadt haben sich sieben Initiativen zu einem Bündnis zusammengeschlossen unter dem Namen „DU erhät(st) Kultur“ [link]. Und im neugegründeten Netzwerk X [link] bahnt sich eine Zusammenarbeit mit Initiativen in anderen Ruhrgebietsstädten an. Für Ende Juni ist eine dreitägige Konferenz Recht auf Stadt in der Hafenstadt geplant (22.-24.6.2012, Gemeindehaus Duisburg-Ruhrort)[link].

 

Die Nachttanzdemo war noch größer als im Vorjahr; ich schätze achthundert, vielleicht sogar tausend Leute. Das Motto auf dem Fronttransparent: „Für mehr Bewegung in einer stehenden Stadt“.

Zwei Musikwagen, ein Wagen vom Netzwerk X mit Livemusik, ein Punk-Bollerwagen und eine Sambatruppe.

Schilder in Spruchblasenform: „Sinn injizieren“, „Pfff“, „Umarmung ist die beste Waffe“, „Rette mich“, „Hier ist es immernoch Scheiße!“ „Revolution ohne Scheiß“, „???“, „Akzeptierende schweigende Masse“, „Herdentier“, „Küss mich“, „Et knallt“.

Transparente an den Wagen: „Der Unterschied zwischen unseren Städten & Joghurt ist, das Joghurt aktive lebendige Kulturen enthält.“ „Vielfältige Kultur und Recht auf Stadt in Duisburg und überall“. „Alle für die Kunst“

Die Polizei hielt sich im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten sehr zurück und beschränkte sich darauf, den Verkehr zu regeln. Deshalb blieb alles entspannt, friedlich und fröhlich.

In Hochfeld bestaunten (im Gegensatz zu den Straßenzügen in Stadtmitte) zahlreiche Anwohner den Demonstrationszug. Ganze Familien hatten sich neugierig am offenen Fenster versammelt. Ein solcher fröhlicher Umzug war eine willkommene Abwechslung, auch wenn die meisten das Anliegen der Demonstration nicht mitbekommen haben dürften. Musik und Auftreten vermittelten aber auch eine Botschaft. Kinder winkten, Passanten lächelten. Kein vernünftiger Mensch, sondern allenfalls ein Extremismusforscher brächte es fertig, eine linksradikale Sambatrommel mit einer Marschtrommel der Neonazis gleichzusetzen.

Einen konkreten Fall kann ich sogar bezeugen, dass Anwohner die Musik hörten und sich tatsächlich spontan entschlossen, sich dem Demonstrationszug anzuschließen. Das erzählten sie mir während der Abschlusskundgebung auf dem Platz vor der Pauluskirche. Die endete pünktlich schon um zehn Uhr; mit den Auflagen nimmt man es genau in Duisburg. Schade.

Das nächste mal sind wir wieder dabei.

Interview zur Duisburger Nachttanzdemo: “Man bleibt hier gerne alten Mustern treu”
in der Hafenstadt

„Wir wollen kein Stück vom Kuchen, sondern das Rezept verändern“.

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