Die sexuelle Erregung der Duisbourgeoisie

Der nackte David vor dem Lehmbruckmuseum sei „eine Skulptur des Anstoßes„, schreibt heute die WAZ.

Mit einer Holzlatte, so wird vermutet, schlugen Vandalen in der Nacht zum 21. Juni der anderthalb Tonnen schweren Figur gezielt zwischen die Beine. Seitdem ist David eines Gutteils seiner sichtbaren Männlichkeit beraubt. […]
es gibt fünf bis sechs Einschläge von Steinwürfen, die ebenfalls erhebliche Schäden angerichtet haben. Dazu noch zwei bis drei weitere, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.

 

Die sexuelle Erregung der Duisbourgeoisie hat Tradition. 1927 wurde in Duisburg die Kniende von Wilhelm Lehmbruck geschändet. Der Schriftsteller Erich Weinert schrieb damals dieses Gedicht.

 

Erich Weinert

Duisburger Bilderstürmer

Sie sahen ein nacktes Mädchen knien.
Das war natürlich aus Bronze.
Sie hatten Tod und Verderben gespien
In einer Protestannonce.
Der Vaterländische Frauenverein,
Als Abwehrfront gegen Schweinerein,
Marschierte hinaus zum Parke,
Von Sitteneifer durchbebt,
Und hat eine Wohlfahrtsmarke
ihm unter den Bauch geklebt.

Und täglich standen Vereine herum
Von seminaristischen Tanten,
Kulturbärten aus dem Gymnasium
Und Seelsorgepraktikanten.
Und mancher, der zuviel Anstoß nahm,
Sehr angestoßen nach Hause kam.
Ein Fräulein aus dem Lyzeum,
Das hängt dem ehernen Bild
Ein Badetuch aus Frotte um.
Der Busen machte es wild.

Ein Schutzmann, der nahm das Denkmal in Schutz
Da sah man Hutnadeln drohen:
Will uns der Stadtrat mit diesem Schmutz
Noch weiter sittlich verrohen?
Dann griff man zu einem dustern Komplott.
Ein beherzter Ritter zog aus mit Gott
Bei Nacht, mit dem Mute der Reinheit,
Als ginge es zum Fememord,
Und hauten der nackten Gemeinheit
Die Extremitäten fort.

Nun wird der sittenstarke Chirurg.
Der Held des flanellenen Eros,
In den Kaffeekränzchen von Duisburg
Zum lorbeerisierten Heros.
Und Nacktheit wird öffentlich überhaupt
Nur noch in öffentlichen Häusern erlaubt.
So endete die Bewegung,
Und auch die Harmonie
Die sexuelle Erregung
Der Duisbourgeoisie.

 

Zitiert nach: Salzmann, Siegfried: “Hinweg mit der ‘Knienden’”. Ein Beitrag zur Geschichte des Kunstskandals, Duisburg: Museumsverein Duisburg e.V. 1981 (2., unveränderte Auflage).

Diesen Durchblick braucht Europa

Lieber Jürgen Elsässer,

ENDLICH hast Du meine Anregung von vor über einem Jahr aufgenommen! Selbstverständlich rein metaphorisch (zwinker, zwinker). Dass Du mit der GANZEN Wahrheit nur scheibchenweise herausrücken kannst, dafür habe ich Verständnis.

http://hafenstadt.eu/2009/06/01/diesen-blick-braucht-europa// (siehe Postscriptum)

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2010/08/10/die-matrix-der-aliens/
http://juergenelsaesser.wordpress.com/2010/08/08/die-aliens-sind-unter-uns/

Ich bau‘ auf Dich allein, wenn ich hoffe,
Dein Hafenstaedter

Gibt es einen Fussball nach dem Tode?


Fußball-WM 2010. DU-Neudorf, Grabenstr. Bestattungshaus Gebr. Jung. Gefunden am 2.7.2010
Für die Anhänger der Fußballreligion ist die Frage „Gibt es ein Leben nach dem Tode?“ zweitrangig. Die wesentlich drängendere Frage „Gibt es einen Ball nach dem Tode?“ kann das Bestattungshaus Gebr. Jung positiv beantworten. „Urne im Fussball-Format (erhältlich in verschiedenen Vereinsfarben)“

Fußball-WM 2010. DU-Neudorf, Grabenstr. Bestattungshaus Gebr. Jung. Urne im Fussball-Format. Gefunden am 2.7.2010

Patridiotisches Huhn


Fußball-WM 2010. Hühner in schwaz-rot-gold, St.-Johann-Str., DU-Hochfeld, gefunden am 2.7.2010
Über die Bedeutung des Huhnes im deutschsprachigen Kulturkreis klärt der ethnologische Dokumentarfilm „Das Fest des Huhnes“ auf. Dieser Film sei allen Leserinnen und Lesern mit und ohne Migrationshintergrund, die die oft so rätselhafte deutsch/österreichische Kultur begreifen wollen, empfohlen.
Den Anfang des Filmes können Sie bei youtube anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=ieRaqYq_8FE

Die Deutschen sind doof

Fast könnte man meinen, es gäbe etwas zu feiern. In den Medien und in Sonntagsredenveranstaltungen hört man derzeit viel über 20 Jahre Montagsdemonstrationen, „friedliche Revolution“ und Mauerfall. Die gewendeten Wendehälse dürfen mal wieder vor die Mikrofone und der Bundespräsident liest dazu vom Teleprompter. Wer 1989 tatsächlich für mehr Demokratie und einen besseren Sozialismus eintrat und die Kurve immer noch nicht gekriegt hat, gilt längst auch dem neuen Staat als gefährlicher Linksextremist. Auf der Gegenseite wurden „Informelle Mitarbeiter“ durch „Vertrauenspersonen“ abgelöst und viel Personal durch Technik ersetzt.

Hier, im tiefen Westen, wurden die Politiker-Versprechungen von damals wenigstens eingelöst. Wir haben blühende Landschaften bekommen: Wildkräuter gedeihen hervorragend auf den Industrie-Ruinen. Die Angleichung der Lebensumstände ist Realität: auf niedrigstem Niveau. Und keinem Reichen geht es heute schlechter, aber vielen besser.

Ein Leipziger auf Besuch behauptete kürzlich allen Ernstes, er bekomme in der Hafenstadt nostalgische Anwandlungen, denn früher habe es bei ihnen genau so ausgesehen. Vielleicht ist das ja eine künftige Einnahmequelle für die bankrotte Stadt: Touristenbusse aus dem Osten. Der Bus hält. Wohlstands-Ossis mit Fotoapparaten steigen aus. Die umstehenden Hafenstadtbewohner rufen im Chor: „Was hat man uns zwanzig Jahre lang belogen und betrogen!“

Durch Zufall stieß ich vor ein paar Tagen auf diesen 20 Jahre alten Flugzettel, ich habe ihn damals aufgehoben: „Die Deutschen sind doof! Deshalb: besser zweigeteilt!“ Ich erinnere mich, dass Duisburger Underground-Satiriker diese Zettel zur Zeit der Montagsdemonstrationen unter Scheibenwischer steckten, und es gab das Motiv auch als Plakat. Die Geschichte gab ihnen Recht.

Doch eine gute Satire wird nur von den Guten verstanden. Auf abenteuerlichen Wegen muss dann wohl Jahre später einer dieser Flugzettel auf dem Schreibtisch von Jürgen Elsässer gelandet sein, woraufhin – so sagt es jedenfalls die Legende – er beschloss, die „Antideutschen“ zu gründen. Und wie richtige Deutsche Linke so sind: sie machen aus jedem Witz gleich eine Weltanschauung. Jetzt haben wir den Schlamassel! Wenn man die Unterzeile weglässt, könnte man die Karikatur heute auch als Verspottung dieser „deutschesten aller Deutschen“ (Moshe Zuckermann) lesen.

Jürgen Elsässer hat seine Nase längst schon wieder in einem anderen Wind. Das heißt aber nicht, dass die Karikatur nicht auch auf ihn (und die – um im Jargon zu bleiben – von ihm zunehmend repräsentierten bestimmten Kräfte) zuträfe. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Beziehungsweise Blog-Eintrag.

Diesen Blick braucht Europa

Als ich dieses Plakat zur Europawahl zum ersten Mal sah, hatte ich sofort ein ungutes Gefühl. Unbehagen, ja sogar ein leichter Anflug von Furcht und Aggression.

Woran mag das nur liegen? Eine politische Aussage ist nicht vorhanden. Und allein die drei Buchstaben des Parteinamens bringen mich schon lange nicht mehr aus der Fassung.

Es muss also dieses Gesicht sein. Dieses Gesicht!

Ist es dieser Mund? Ist es diese Frisur? Wohl kaum. Aber diese Augen! Schauen Sie sich diese Reptilien-Augen an!

Die Spin-Doktoren der nordrhein-westfälischen CDU überlassen nichts dem Zufall. Sie haben messerscharf analysiert. In Zeiten der Krise sehnt sich unsere Klientel nach Politikern, vor denen man sich endlich wieder fürchten kann. Also verpassten sie ihren Kandidaten auf den Wahlplakaten Reptilien-Augen.

Ob diese Rechnung aufgeht? Wir werden es sehen.

In der Hafenstadt gibt es eine Welle von Vandalismus gegen CDU-Plakate. Die FDP-Plakate hängen alle noch. Mit Politik hat das also nichts zu tun.

 

P.S.:

Lieber Jürgen Elsässer,

ich bin mir ganz sicher, dass Du diese Zeilen liest. Frag doch mal die investigativen Forscher unter Deinen neuen Freunden nach dem wahren Hintergrund dieser Geschichte. Die kennen sich da sicher aus. Soviel ich weiß, konnte bisher niemand widerlegen, dass die Menschheit seit Jahrhunderten von reptiloiden Außerirdischen unterwandert wird. Also ist es wahr. Bekanntlich machte schon Friedrich Engels in seinem Hauptwerk Dialektik der Natur entsprechende Andeutungen.

Du brauchst nicht zu sagen, dass Du die Information von mir hast. Hauptsache, die Wahrheit kommt an das Licht. Von Deinem nächsten Buch erwarte ich dann aber, dass Du uns anleitest, wie endlich das Bündnis der Linken mit Reptiloiden und Konservativen (ich sage nur: Bismarck, Reptilienfonds!!!) geschmiedet werden kann und muss – gegen das US-Finanzkapital. Ich bin schon gespannt. Ich könnte das Buch auch selber schreiben, aber auf mich hört ja keiner.

Ich bau‘ auf Dich allein, wenn ich hoffe

 

Dein Hafenstaedter