Weihrauchcity 2026

Es wurde mal wieder Zeit für eine agnostische Wallfahrt nach Weihrauchcity.

Weihrauchcity Kerzen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Eine Reportage über eine meiner früheren Wallfahrten 2011 finden Sie hier: Ratzinger im Bundestag – Hafenstaedter in Kevelaer.

Auf den ersten Blick hatte sich nicht viel verändert. Der heilige Georg erlegt den teuflischen Drachen nach wie vor locker, wie nebenbei mit seiner Lanze. Geschaffen von einem alten Oberammergauer Meister ohne Preisschild und Jahr. Seltsam, dass ich das arme Monster wieder einmal viel sympathischer finde als den Helden.

Doch dem erfahrenen Wallfahrer fallen Veränderungen auf. In der Marien-Basilika hing viele Jahre lang über dem schwebenden Kruzifix eine riesige blutrote Dornenkrone mit eingebauten Scheinwerferchen. Diese Installation ist nun verschwunden. Ist der Leuchter einfach nur in Reparatur? Oder war er wegen der krassen Effekthascherei nun doch zu peinlich?

Weihrauchcity, Marien-Basilika, September 2011, mit Dornenkronenleuchter. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Marien-Basilika, Oktober 2026, ohne Dornenkronenleuchter. Foto Copyright Hafenstaedter

In der angrenzenden Beichtkapelle sind Reliquien ausgestellt, u.a. von Johannes Paul II. „Bei der Reliquie handelt es sich um ein in Blut getränktes Stück Stoff seiner Soutane“.

Gegenüber wird eine Reliquie von Pius X. gezeigt. Diesen Papst haben sich die Anhänger von Marcel Lefebvre als Namensgeber ausgesucht: Priesterbruderschaft St. Pius X. Ob sie hier nach ihrem Aufstand gegen den neuen Papst weiter willkommen sind?

Fotos dieser Ausstellung möchte ich nicht zeigen. Der Reliquienkult wirkt auf Außenstehende sehr befremdlich. Aber ich gebe zu bedenken, dass andere sich ähnliches abgeguckt haben. Unsere kommunistischen Freunde haben z.B. Lenin, Mao und Ho Chi Minh einbalsamiert und zur Verehrung ausgestellt.

Der Wallfahrtsbetrieb geht wie gewohnt weiter. Dackel wurden diesesmal nicht gesegnet. Dafür fand am 3. Oktober eine Oldtimer-Traktoren-Wallfahrt statt. Ca. 50 geschmückte, stinkende Diesel-Trecker fuhren langsam am Heiligtum vorbei und wurden mit Weihwasser bespritzt. Diese Zeremonie bereitete offenbar allen Beteiligten großes Vergnügen. Vielleicht könnte man das noch steigern, wenn Wasserpistolen zum Einsatz kämen.

Weihrauchcity, Oldtimer-Traktoren, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Oldtimer-Traktoren, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

In den Auslagen der Andenkenläden gab es früher immer zahlreiche Abbildungen und Figürchen von Päpsten. Wojtyła und Ratzinger standen hoch im Kurs und vereinzelt konnte man auch Bergoglio finden, wenn man danach suchte. Unter Prevost sind nun plötzlich alle Papstbilder verschwunden. Hat das etwas zu bedeuten? Pater Pio statt Papst?

Weihrauchcity, Postkarten ohne Papst. Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Die magischen schwarzen Gewitterkerzen gibt es nach wie vor. Doch sie sind nun mit einer Rechtfertigung aus „kirchlichen Unterlagen“ versehen mit Wikipedia als Quelle. Aberglaube wird als Volksfrömmigkeit zur katholischen Tradition.

Weihrauchcity, Gewitterkerzen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Man kann nicht behaupten, dass das Geschäft mit der Wallfahrt blüht. Der Laden mit dem größten Kitsch, der mich immer begeistert hat, ist leider schon lange geschlossen. Und nun schließt auch das benachbarte Geschäft.

Weihrauchcity, Geschäftsaufgabe, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Geschäftsaufgabe, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Zahlreiche Läden, Restaurants und Hotels haben geschlossen. Der Leerstand im Umkreis des Heiligtums ist größer als in Duisburg-Hochfeld. Hier einige Beispiele.

Kostbare Paramente gibt es nur noch in Köln.

Weihrauchcity, geschlossener Laden für Paramente, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Früher wurden die Pilger unterwegs fotografiert und konnten die Fotos nach ihrer Ankunft hier kaufen. Jetzt müssen sie ihre Selfies selber machen.

Weihrauchcity, Prozessionsfotos geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Etliche Hotels, Restaurants und Cafés haben aufgegeben.

Weihrauchcity, Hotel / Restaurant geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Restaurant geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Café geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Weihrauchcity, Eiscafé geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

Selbst solch ein zukunftsträchtiges Gewerbe wie der Verleih von Videocassetten und DVDs hat hier keine Chance mehr.

Weihrauchcity, Video DVD geschlossen, Oktober 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

 

 

 

 

 

Rheinpark 2009

2009 entstanden im Hochfelder Rheinpark eine ganze Reihe von Graffiti mit hoher künstlerischer Qualität.

Ich vermute, man hat damals den Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit geboten, die von Jugendlichen stark genutzte Skaterbahn und die umgebenden Reste der Industrieruinen zu gestalten.

Die Gemälde waren etliche Jahre lang zu bewundern, wurden dann aber doch von anderen verändert und schließlich größtenteils übersprüht. Sie sind seit 2025 nicht mehr öffentlich zugänglich. Vermutlich werden die letzten Überreste gerade im Rahmen der geplanten „Internationalen Garten-Ausstellung“ zerstört.

Ich dokumentiere hier den Zustand der Kunstwerke vom Juli 2009.

(Wie immer erhalten Sie eine Vollbildansicht, wenn sie auf das jeweilige Foto klicken.)

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinpark Hochfeld Graffiti, Juli 2009. Foto Copyright Hafenstaedter.

Bismarck-Eiche, neu gepflanzt

Neugepflanzte Bismarckeiche in Homberg. September 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

In Homberg hat man nicht nur Germania unermütlich wiederbewaffnet. In den 1990er Jahren wurde allen Ernstes eine neue Bismarck-Eiche gepflanzt.

Der antidemokratische Bismarck-Kult von Ende des 19. Jahrhunderts überzog das ganze Land mit Bismarck-Denkmälern, Bismarck-Türmen, Bismarck-Eichen und Bismarck-Feiern. Manches davon ist heute noch zu besichtigen. Diese Relikte waren Homberg nicht genug.

Wird dort vielleicht demnächst die Monarchie wieder eingeführt? Warum sollte man nicht auch die Sozialisten-Gesetze und den Kulturkampf wieder in Kraft setzen, die Kolonien zurückgewinnen und Krieg gegen Österreich, Dänemark und Frankreich anfangen?

Und um das historische Stadtbild wiederherzustellen, könnte man auch die gefällten Hitler-Eichen neu pflanzen.

Neugepflanzte Bismarckeiche in Homberg. September 2026. Foto Copyright Hafenstaedter

„Bismarckeiche

31.03.1895 Umbenennung des Pattbergplatzes in Bismarckplatz

Pflanzung einer Eiche zur Erinnerung an den 80. [Geburtstag] des Fürsten Otto von Bismarck am 01.04.1895

1923 Zerstörung der Eiche durch Besatzungstruppen

31.03.1995 Pflanzung dieser Eiche aus Anlaß der 100-jährigen Wiederkehr der Namensgebung „Bismarckplatz“

Freundeskreis Historisches Homberg e.V.“

Das deutsche Schwert am deutschen Rhein

Germania, Essenberg, August 2026, Foto Copyright Hafenstaedter.

Im Schatten der riesigen Brückenbaustelle für die A40 in Essenberg steht ein Kriegsdenkmal, das scheinbar mit einer drohenden Geste die moderne Technik abwehren möchte.

Nach den durch dieses Denkmal gefeierten Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich versuchte der preußische Staat tatsächlich zunächst einmal Brückenbauten über den Rhein zu verhindern oder zumindest stark einzuschränken. Was wäre, wenn nicht nur Personen und Waren leicht ans andere Ufer kommen, sondern auch der böse Erbfeind?

Als Symbol wählten die Essenberger Patrioten die Figur der Germania mit gezücktem Schwert und großem Schild, das die Aufschrift trägt: „Ein deutsches Schwert beschützt den deutschen Rhein“.

Das Denkmal wurde 1887 eingeweiht und stand ursprünglich an der Hauptstraße. Der leere Platz heißt heute noch Denkmalsplatz.

Anfang der 1920er Jahre sorgten belgische Soldaten für Abrüstung und entfernten das Schwert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Germania ans Rheinufer versetzt. Und statt einem Schwert trug Germania nun einen Siegerkranz. Der kam irgendwann abhanden und sie drohte nur noch mit der Faust.

Germania, Essenberg, Januar 2003, Foto Copyright Hafenstaedter.

Bis dann 2004 ein Heimatverein die Wiederaufrüstung beschloss.

Germania, Essenberg, Mai 2004, Foto Copyright Hafenstaedter.

Einige Zeit später, vielleicht 2009, ging das Schwert wieder verloren. Mutmaßlich haben es Altmetall-Sammler mitgehen lassen.

Germania, Essenberg, November 2009, Foto Copyright Hafenstaedter.

Etwa 2012 erhielt Germania dann ein klobiges extra-breites und extra-schweres Ersatzschwert.

Germania, Essenberg, Juli 2012, Foto Copyright Hafenstaedter.

Vielleicht war es zu schwer. 2013 brach es wieder ab.

Germania, Essenberg, April 2013, Foto Copyright Hafenstaedter.

Das neue Ersatz-Schwert hielt, dafür wurde der dünne Arm Germanias zum Gerippe.

Germania, Essenberg, November 2013, Foto Copyright Hafenstaedter.

Etwa 2015 bekam Germania einen neuen Arm spendiert, der aber immer noch zu dünn erscheint für den Schwertkampf gegen den Erbfeind.

Germania, Essenberg, Mai 2015, Foto Copyright Hafenstaedter.

2024 und auch heute noch sieht man Germania wieder unbewaffnet.

Germania, Essenberg, September 2024, Foto Copyright Hafenstaedter.

Gehören nationalistische Denkmäler in den öffentlichen Raum? Oder als historische Dokumente ins Museum? Kann man sie als Lernorte friedenspädagogischer Arbeit nutzen? Darüber streiten sich die Fachleute seit Jahrzehnten.

Stehen uns jetzt Zeiten bevor, in denen neue Denkmäler für neue Kriege werben?

 

Brückenbau

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Zwischen Neuenkamp und Essenberg entsteht eine neue Rheinbrücke für die Autobahn A40.

Die alte Brücke aus den 1970er Jahren war dem stark zugenommenen LKW-Verkehr nicht mehr gewachsen. Im August 2017 musste sie plötzlich gesperrt werden. Vorübergehend gab es die Gelegenheit, als Fußgänger oder Radfahrer (und sogar als Schafherde) die Todeszone der Fahrbahnen zu benutzen und zu erkunden. Sie finden hier auf diesem Blog die Reportage von damals: Spaziergang auf der Autobahn.

Die Brücke wurde bald wieder genutzt. Der Verkehr wurde eingeschränkt, und ein Neubau wurde beschlossen. In unmittelbarer Nähe rheinaufwärts entstand ab 2019 die Hälfte der neuen Brücke. Seit ihrer Fertigstellung im November 2023 wird sie vorübergehend für beide Fahrtrichtungen genutzt. Danach wurde die alte Brücke abgerissen. An ihrer Stelle wird jetzt die zweite Hälfte der neuen Brücke errichtet, die mit der bereits genutzten Hälfte fast identisch ist. Eigentlich sollte der Bau noch in diesem Jahr fertig werden, das wurde inzwischen auf 2028 verschoben.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Auf acht Spuren soll sie den Verkehr der Zukunft tragen. Es ist die Rede von 80 bis 100 Jahren Nutzungszeit. Das war auch der alten Brücke prophezeit worden.

Es gäbe sicherlich viel zu kritisieren an der Ausrichtung auf LKW-Verkehr und an zunehmenden Transportvolumina. Trotzdem scheint mir erst einmal begrüßenswert, wenn endlich wieder, wenn auch nur notgedrungen, in die Verbesserung der Infrastruktur investiert wird.

Die riesige Baustelle ist imposant, und man hat hier auch als technischer Laie Einblick in die Konstruktion einer der größten Schrägseilbrücken Europas. Man kann mit ansehen, wie die Fahrbahnsegmente Schritt für Schritt über dem Rhein montiert und mit den tragenden Seilen verbunden werden, die ihrerseits wieder aus vielen kleineren Stahlseilen bestehen. Sie werden mit den 70 Meter hohen Pylonen verbunden.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Die ganze Konstruktion muß dauerhaft, stabil und flexibel zugleich sein und Verkehr, Temperaturschwankungen, Wind und Wetter aushalten können. Ich muss zugeben, dass mich die Möglichkeiten der modernen Technik faszinieren. Was wäre alles möglich, wenn das sinnvoll und menschenfreundlich eingesetzt würde! Aber ich bin ja ein weltfremder Spinner.

Immerhin: Auf beiden Seiten sollen Fuß- und Radwege entstehen, die durch hohe Lärmschutzwände von den Fahrbahnen abgeschirmt werden. Man darf gespannt sein, wie sich das am Ende anfühlen wird. Ich hatte ja während der Still-Leben-Sperrung im Kulturhauptstadtjahr 2010 dafür plädiert, die gesamte A40 ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger freizugeben. Hannelore Kraft hat damals aber leider nicht auf mich gehört.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Baustelle Rheinbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Wieder grün

Na, sagte ich es doch!

„Man hat derzeit die Gelegenheit, am Grund des Rheins spazieren zu gehen, man sieht Muscheln, Kormorane, Kanada-Gänse. Und die verdorrten Rheinwiesen. Die werden schnell wieder grün, wenn es endlich wieder regnet.“

Verdorrte Rheinwiesen. Mitte August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Heute sieht es dort so aus. Zwischen den Fotos liegen gerade einmal drei Wochen.

Grüne Rheinwiesen. Anfang September 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Aber der deutsche Spießer ist verbittert und wählt das nächste mal AfD, weil er den Rasen in seinem Vorgarten nicht sprengen darf.

Dem Rhein geht es trotz ein wenig Regen immer noch nicht gut. Der Pegel stieg kurz auf immer noch sehr niedrige zwei Meter und fällt bereits wieder. Die Prognose geht schon wieder in Richtung bisheriges Allzeittief von 1,53 m.

Die Messwerte und Prognosen sind übrigens frei abrufbar unter https://www.elwis.de/DE/dynamisch/Wasserstaende/Pegelvorhersage:DUISBURG-RUHRORT.

ADHS Antifa

Aufkleber, Hochfeld, Juli 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Ein Aufkleber in Hochfeld im Juli 2026:

„ADHS Antifa. Abgelenkt und trotzdem da“.

 

Die Seite ADHS-Info schreibt:

Wir möchten nicht unerwähnt lassen, dass viele Betroffene aufgrund ihrer ADHS auch besondere Ressourcen haben. So kann sich beispielsweise Impulsivität in Spontaneität, Flexibilität und auch in Kreativität ausdrücken. Eine ausschließlich defizitorientierte Sichtweise von Betroffenen wird diesen nicht gerecht.

Niedrigwasser

Im Sommer 2026 herrschte im Einzugsgebiet des Rheins eine lang andauernde Dürre. Die Folge war ein Rekord-Niedrigwasser. In Ruhrort wurden ca. 1,28 m gemessen, so niedrig wie niemals zuvor.

Der bisherige Allzeit-Rekord lag bei 1,53 m, gemessen am 23.10.2018. Das ist gerade einmal acht Jahre her, und in der Zwischenzeit gab es gleich mehrere Dürren, die aber nicht das Allzeittief unterschritten. Zwar erinnert man sich auch in der Vergangenheit an gelegentliche Dürrejahre, doch nicht in der Häufigkeit und Intensität, wie es jetzt der Fall ist. Ein Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel liegt nahe. Allerdings könnte der auch eine Zunahme des Niederschlags bewirken. Vielleicht erleben wir auch das noch in nächster Zeit in Form eines „Jahrhundert“-Hochwassers, denn der Klimawandel verstärkt die Extreme.

Blick von der Brücke der Solidarität Richtung Homberg. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Blick von der Brücke der Solidarität Richtung Rheinpark und Eisenbahnbrücke. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Der Rhein ist zu einem schmalen Flüsschen zusammengeschrumpft. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein harmloser Badesee mit Sandstrand. Das verleitet viele dazu, die tödliche Gefahr durch Strömung, steil abfallende Ufer und den Sog vorbeifahrender Schiffe zu unterschätzen. Ich habe dort schon ganze Familien mit Kindern plantschen gesehen. In Duisburg gibt es leider nur wenige Orte, an denen man kostenlos legal und ungefährdet schwimmen kann.

Baden verboten. Eisenbahnbrücke Rheinhausen. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Die Stadt Duisburg hat ein Badeverbot für den Rhein ausgesprochen und Schilder aufgestellt. Die Wasserschutzpolizei fährt mit einem Bötchen den Fluss rauf und runter und verscheucht mit Lautsprecherdurchsagen die Badenden aus dem Wasser. Die Stadt setzt auf Verbote und Bußgelder. Alternativen sind rar, z.B. die begrenzte Freigabe des Innenhafens zum Baden.

Der Grund des Rheins. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Man hat derzeit die Gelegenheit, am Grund des Rheins spazieren zu gehen, man sieht Muscheln, Kormorane, Kanada-Gänse. Und die verdorrten Rheinwiesen. Die werden schnell wieder grün, wenn es endlich wieder regnet.

Die Chemie-Fabrik Sachtleben lässt weiter ihre Brühe in den Rhein.

Das lauwarme Wasser erscheint trotzdem glasklar, und ich bin mir nicht sicher, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Im Vergleich zum stinkenden, giftigen Rhein der 1970er Jahre ist das auf jeden Fall ein Fortschritt.

Tote Fische habe ich dieses mal nicht gesehen (oder gerochen), dafür gab es aber etliche Angler, die hier ihr Glück versuchten.

Der Grund des Rheins. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Muscheln im Rhein. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Muscheln im Rhein. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinwasser. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinorange. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Verdorrte Rheinwiesen. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Brücke der Solidarität. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Brücke der Solidarität. Sprühparole: „Lohnarbeit mach krank und dumm Für Deutschland keinen Finger krumm“. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Brücke der Solidarität. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Sachtleben und Kanada-Gänse. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Sachtleben. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Sachtleben Abfluss. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Sachtleben Kormorane. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Rheinwiesen Kanada-Gänse. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Autobahnbrücke A40. August 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Der Brückenturm

Brückenturm. Rheinhausen, März 2018. Foto Copyright Hafenstaedter.

Auf der Rheinhausener Seite steht noch ein Brückenturm der alten Eisenbahnbrücke über den Rhein. Erbaut am Ende des 19. Jahrhunderts mit (damals) moderner Technik, aber im kitschigen pseudo-mittelalterlichen Stil. Sie wurde schon in den 1920er Jahren baufällig und durch die zweite Brücke ersetzt, die unmittelbar daneben errichtet wurde, wo auch die heutige, inzwischen vierte Brücke steht. Es fahren hier Züge Richtung Krefeld und Richtung Moers. Genauer kann man das im Wikipedia-Artikel nachlesen.

Viele Jahrzehnte lang stand dieser anachronistische Trumm in der Gegend herum und verrottete. Die Tauben fühlten sich dort wohl.

Brückenturm. Rheinhausen, Juli 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Doch vor ein paar Jahren tat sich etwas. Der Turm wurde umgebaut und erneuert. Von außen ist nicht ersichtlich, was es damit auf sich hat.

Laut Wikipedia und laut WAZ wurde der Turm 2014 für 30.000 Euro an einen unbekannten Bieter versteigert. Etwa 2020 begannen die Bauarbeiten. Doch was ist hier entstanden? Die WAZ nennt es eine „Ferienwohnung“. Allerdings eine Ferienwohnung, die nicht zu vermieten ist, sondern „rein privat“.

Wo einst zwei schwarz-weiß-rote Flaggen des Kaiserreiches flatterten (auf Wikipedia ist eine solche Abbildung zu sehen), sieht man heute die schwarz-rot-goldene auf dem einen Türmchen und eine US-Flagge auf Halbmast (!) auf dem anderen. Was wollen uns die geheimnisvollen Bewohner damit sagen?

Brückenturm. Rheinhausen, Juli 2026. Foto Copyright Hafenstaedter.

Gemütlich scheint mir dieses Feriendomizil trotz des schönen Blicks auf den Rhein und den Rheinpark nicht zu sein. Tag und Nacht rattern in wenigen Metern Entfernung die Züge vorbei. Die Bewohner haben sich in ihrer einsamen Burg in einen hässlichen Käfig eingesperrt, überwacht von Kameras, Scheinwerfern und einer Alarmanlage, die schon ausgelöst wird, wenn ein einsamer Spaziergänger mit Abstand am Turm vorbeigeht.

 


Siehe auch: http://hafenstadt.eu/2012/03/25/ich-liebe-dich/

und http://hafenstadt.eu/2012/04/07/raketen-stop/