Auf der Rheinhausener Seite steht noch ein Brückenturm der alten Eisenbahnbrücke über den Rhein. Erbaut am Ende des 19. Jahrhunderts mit (damals) moderner Technik, aber im kitschigen pseudo-mittelalterlichen Stil. Sie wurde schon in den 1920er Jahren baufällig und durch die zweite Brücke ersetzt, die daneben auf der Trasse errichtet wurde, die auch die heutige vierte Brücke nutzt. Genauer kann man das im Wikipedia-Artikel nachlesen.
Jahrzehntelang stand dieser anachronistische Trumm in der Gegend herum und verrottete. Die Tauben fühlten sich wohl dort.
Doch vor ein paar Jahren tat sich etwas. Der Turm wurde umgebaut und erneuert. Von außen ist nicht ersichtlich, was es damit auf sich hat.
Laut Wikipedia und laut WAZ wurde der Turm 2014 für 30.000 Euro an einen unbekannten Bieter versteigert. Etwa 2020 begannen die Bauarbeiten. Doch was ist hier entstanden? Die WAZ nennt es eine „Ferienwohnung“. Allerdings eine Ferienwohnung, die nicht zu vermieten ist, sondern „rein privat“.
Wo einst zwei schwarz-weiß-rote Flaggen des Kaiserreiches flatterten (auf Wikipedia ist eine solche Abbildung zu sehen), sieht man heute die schwarz-rot-goldene auf dem einen Türmchen und eine US-Flagge auf Halbmast (!) auf dem anderen. Was wollen uns die geheimnisvollen Bewohner damit sagen?
Gemütlich scheint mir dieses Feriendomizil trotz des schönen Blicks auf den Rhein und den Rheinpark nicht zu sein. Die Bewohner haben sich in ihrer einsamen Burg in einen hässlichen Käfig eingesperrt, überwacht von Kameras, Scheinwerfern und einer Alarmanlage, die schon ausgelöst wird, wenn ein einsamer Spaziergänger mit Abstand am Turm vorbeigeht.


